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Merligen einst und heute

Erleben Sie Merligen live. Oder informieren Sie sich hier über unser Dorf – einst und heute. Auch der geschichtliche Rundgang durch Merligen, das Palmendorf zwischen Gunten und Beatenbucht, ist ein Erlebnis. Merligen einst und heute: Dieser geschichtliche Rundgang steht unter dem Patronat der Kulturkommission der Gemeinde Sigriswil, zu welcher auch Merligen als eine von elf Gemeinden dazugehört. Im Spielerhaus in Merligen gibt es zudem zur Geschichte Merligens eine öffentliche Ausstellung – reinschauen lohnt sich.

Merligen einst

Merligen gehört mit Hilterfingen, Ralligen, Ebligen und auf der andern bzw. gegenüberliegenden Seeseite mit Scherzligen, Strättligen, Einigen, Leissigen und Därligen in eine Reihe germanischer Siedlungsnamen. Sie zeigen das Vordringen allemannischer Ansiedler zwischen 500 und 800 – von der Hochebene in das bisher keltoromanische Oberland. Merligen als Dorf wird erstmals im Jahr 1280 urkundlich erwähnt. In Urkunden ist belegt, dass die Bewohner Ackerbau, Weinbau und Alpwirtschaft betrieben haben. Dazu kam die Fischerei und die Schifffahrt, sowie Mühlen und Sägewerke. Zwar war die Ortschaft nur durch einen Fussweg durch die Tell erschlossen, aber schwerere Lasten wurden damals ohnehin auf dem Seeweg transportiert.1653 wurden in Merligen 35 Haushalte und 4 Witwenhäuser gezählt. 1764 wies Merligen 99 Feuerstätten auf, bewohnt von 328 Burgern, 35 Hintersässen und drei Heimatlosen. Merligen zählte 366 Bewohner.1784 wird im Regionenbuch vermerkt: «Merligen ist ein grosses Dorf, in welchem Mühlen und eine Säge stehen. Dazu gehören jenseits des Bachs mehrere Häuser, bei der Sagen einzelne Häuser, Ralligen ein Landhaus, Stampbach ein Landhaus.»


Merligen heute...

Merligen zählte Ende 2005 insgesamt 800 Einwohner. Heute ist Merligen weitgehend ein Feriendorf. Arbeitsplätze ausserhalb der Tourismusbranche hat es eher wenig – die Merliger arbeiten mehrheitlich ausserhalb des Dorfs. Im Ort selber gibt es noch einige Geschäfte aus der Baubranche, diverse Dienstleistungsbetriebe, ein Altersheim und einen Lebensmittelladen mit Bäckerei. Landwirtschaft wird nur noch nebenberuflich – oder als Hobby – von ein paar wenigen Einwohnern betrieben. Ähnlich ist es auch im Weinbau. Merligen verfügt über einen eigenen Kindergarten und eine Schule mit drei Ausbildungsstufen. Beherbergungen sind noch ähnlich vertreten wie zu Beginn der Tourismuszeit: Mit zwei grösseren Hotels, einem Motel, dem Gästehaus Schloss Ralligen, eine Pension, ein Gasthof sowie Restaurants und ein Tea-Room. In den letzten Jahren bewegten sich die Logiernächte um 50’000/Jahr, hinzu kommen jeweils noch rund 2'500 Übernachtungen in Ferienwohnungen. Merligen hat dank seiner geschützten Lage direkt am See eine Vegetation, wie sie sonst nur auf der Alpensüdseite vorkommt. Neben atemberaubenden Sonnenuntergängen und undendlicher Fernsicht lässt in Merligen so manchen Gast träumen. Der Niesen, in Form einer Pyramide einzigartig, liegt gleich gegenüber auf der anderen Thunerseeseite.


Katastrophen

Merligen wurde zweimal von grösseren Katastrophen heimgesucht. 1856 von einem gewaltigen Unwetter, bei welchem grosse Teile des Berner Oberlands verwüstet wurden. Stark betroffen war auch Merligen, als die Bäche überall über die Ufer traten. Dabei wurden ganze Häuser weggeschwemmt, insgesamt 15 Familien waren in der Folge obdachlos. Nach dem Unglück hat die Dorfgemeinde beschlossen, den Grönbach und den Gerbebach in Schalen zu legen. Die immensen Kosten, welche die Steuerzahler damals kaum verkraften konnten, haben sich aber gelohnt. Seither sind die Bäche nie mehr über die Ufer getreten – alles blieb glücklicherweise ruhig. Heftig war es auch im Jahr 1898, anlässlich des grossen Dorfbrands: 47 Gebäude wurden ein Raub der Flammen, 36 Familien waren danach obdachlos. Die Merliger liessen sich nicht entmutigen und bauten das zerstörte Innerdorf wieder auf. Unterstützung gab es auch aus der Umgebung, vom Kanton Bern, Teilen der Schweiz sowie aus dem nahen Ausland, wie aus dem «Bericht mit Rechnung des Hilfskomitees» von 1899 zu entnehmen ist.


Kirche Merligen

Merligen gehört seit Beginn zur Kirchgemeinde Sigriswil. Gottesdienste und Abdankungen fanden in Sigriswil statt. In den Krisenjahren um 1930 wurde ein Initiativkomitee für den Bau einer eigenen Kirche ins Leben gerufen. Auf dem Bühl wurde man nach einem geeigneten Bauplatz fündig. Für den Kirchenbau war der Thuner Architekt Jakob Wipf zuständig. Die Kirche Merligen wurde vollständig aus einheimischem Balmholzstein errichtet. Im Winter 1936/37 wurde der Kirchenbau realisiert, damals die einzige Baustelle in der ganzen Gemeinde Sigriswil. Das Bauprojekt gab vielen arbeitslosen Bauhandwerkern Gelegenheit, Geld zu verdienen. Am 26. September 1937 wurde die neue Kirche Merligen feierlich eingeweiht. 1948 folgte nebenan der Bau der Friedhofanlage. Die Kirche Merligen ist noch heute wegen ihrer einmaligen Lage ein beliebter Ort zum heiraten.


Vereine von Merligen

Merligen hat heute sechs aktive Vereine: Die Musikgesellschaft, der Jodlerklub, die Feldschützen, die Kleinkaliberschützen, den Damenturnverein und die Guggenmusig «Grönbachgusler». Zweckbezogen tätig sind Merligen Tourismus, der Kindergartenverein, die Badgenossenschaft, die Wasserversorgungsgenossenschaft und der Wassersportverein. Die Gemeindeversammlung wird immer noch rege besucht und dient jeweils auch als Diskussionsort für Dorfanliegen. Merligen bietet mit seiner Umgebung sowohl Einheimischen wie Gästen und Touristen viele Möglichkeiten im Freizeitbereich – so unter anderem für Wanderungen, Wassersport, Mountain-Bike und Tennis. Ein geheiztes Schwimm- und Seebad mit direktem Seeanstoss liegt direkt neben dem BEATUS Wellness- & Spa-Hotel und ist öffentlich. Willkommene Ergänzung dazu ist auch das grosse Solebad sowie das Indoor-Hallenbad mit grosser Wellnesszone im BEATUS Wellness- & Spa-Hotel.


Gewerbe in Merligen

Nebst Land- und Alpwirtschaft, Fischerei und dem Weinbau betrieben die Merliger Gewerbe. Sie beuteten Alpenkalk in Steinbrüchen aus und verwendeten ihn als Baumaterial oder stellten damit gebrannten Kalk her. Verkauft wurde er als gebrannter Stückkalk, der dann in gelöschter Form für die Herstellung von Mörtel und Verputz diente. Von schlechter gebranntem Ausschuss stellten sie mit Zuschlagstoffen sogenannte «Kalkmutten» her, die zum Ausfachen im Riegbau verwendet wurden. Noch heute kann man am Ende des Dorfes – Richtung Beatenbucht – den alten Kalkofen besichtigen. Ein weiteres berühmtes Produkt war der sogenannte «Merliger-Marmor». In der «Fuchseren» wurden Steinblöcke des vorgeschichtlichen Bergsturzes zu Cheminée-Einfassungen, Brunnentrögen und anderen Bauteilen verarbeitet. «Uf dr Gärbi» wurde das Gerberei-Gewerbe betrieben. In neun Gruben vor dem alten Gerbehaus wurde Leder gegerbt. Die Kohlenflöze am Niederhorn wurden ausgebeutet und die Kohle durch den «Choleren-Schliif» an den See herunter «geschlittnet». Von da ging es dann mit Schiffen weiter bis ins Marzili nach Bern, wo das erste Gaswerk sie abnahm. Auf dem gleichen Weg wurde auch Merliger-Marmor, Holzkohle aus dem «Cholgruebi» und gebrannter Kalk per Schiff transportiert. Entsprechend war das Schiffer-Gewerbe lange Zeit sehr gut ausgelastet. Schiffer Tschanz soll früher sogar eine Flotte von 16 Weidschiffen besessen haben. In neuerer Zeit kamen dann Bauunternehmen, Schreinereien, Malerbetriebe und eine Garage dazu. Viele Merliger arbeiteten auch im Steinbruch Balmholz, bei den STI Verkehrsbetrieben, der Beatenbergbahn oder bei den Schiffsbetrieben Thuner- und Brienzersee. Mit Ausnahme eines Berufsfischers sind die älteren Gewerbe ausgestorben. Von den einst sechs Dorfläden gibt es heute in Merligen nur noch einen.


Weinbau in Merligen

Um 1500 war die ganze rechte Thunerseeseite – von Thun/Steffisburg bis Merligen – mit Reben bestockt. Noch auf der Siegfried-Karte von 1870 weist Merligen ein beachtliches Rebgebiet auf. Die Merliger betreiben den Weinbau an den Südhängen des rechten Seeufers und die Landwirtschaft auf der gegenüberliegenden Seeseite: So im Güetital, in der Umgebung Faulensee und hoch nach Krattigen. Den Schiffsverkehr bewältigten sie mit ihren Weidschiffen, grossen Flachbodenbooten, die mit Stehrudern vorwärtsbewegt wurden und bei gutem Wind auch einfache Vorwindsegel setzen konnten. Eine Reblaus-Invasion, gegen die man damals noch kein Abwehrmittel hatte, beendete den Rebbau am Thunersee gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In der Folge verarmten die meisten Rebbauern. Auf der Karte der Gemeinde Sigriswil aus dem Jahr 1909 sind denn auch keine Rebberge mehr eingezeichnet.


Verkehr in Merligen

Obwohl Merligen durch seine Lage als letztes Dorf vor der Beatenbergfluh langezeit ein eher abgeschiedenes Dasein führte, war es doch über den See stets mit der näheren und weiteren Umgebung verbunden. Der Pilgerweg nach St. Batten wurde im Mittelalter recht häufig begangen. Als dann die rechtsufrige Thunerseestrasse 1871 Merligen erreichte – und zehn Jahre später auch Interlaken verband – nahm der Tourismus zu. 1913 wurde die Strassenbahn Steffisburg-Thun-Interlaken (STI), eingeweiht. Das Dorf profitierte enorm – in der Folge entstanden aus kleinen Wirtschaften Gasthöfe und Hotels.


Noch ein Berufsfischer in Merligen

Merligen hat noch einen einzigen Berufsfischer. Die Fischerei wird auf der «Gerbe» betrieben. Immer am Vorabend werden im Thunersee die Netze gesetzt, in denen dann am Folgemorgen die Fische – meist Felchen – eingeholt und danach im Fischerhaus verarbeitet werden. Abnehmer sind Restaurants und Hotels in der nahen und weiteren Umgebung, Comestibles-Geschäfte, Metzgereien und viele Private.


Ausstellung im Spielerhaus

Mehr über die Geschichte Merligens gibt es auch im Spielerhaus zu sehen, die Ausstellung steht unter dem Patronat der Kulturkommission der Gemeinde Sigriswil. Für die Ausstellungsgestaltung zeichnen sich Ueli Häsler und Vincenz Oppliger (beide Merligen) verantwortlich.


Patronat

Kulturkommission der Gemeinde Sigriswil Ortschaft Merligen


Ausstellungsgestaltung: Ueli Häsler und Vincenz Oppliger, Merligen

Inhalte: Vincenz Oppliger

Fotos: Archiv Merligen Tourismus, Buch «Mein Thunersee» (Markus Krebser), Buch «Elektrische Traktion am rechten Thunerseeufer» (Sandro Sigrist), Photo Gyger (Bern), Fischzuchtanstalt Faulensee (Bildmaterial aus Familienbesitz)

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